Ein gesunder Lebensstil fördert die Fruchtbarkeit. Reichlich Schlaf, gute und ausgewogene Ernährung, Bewegung und natürlich eine erfüllte Partnerschaft. Doch umso sehnsüchtiger der Kinderwunsch, desto mehr gibt es kluge Tipps und Verbote. Wer die alle befolgen will, wird nicht unbedingt schwanger, verliert aber sicher an Lebensqualität. Doch worauf sollte man wirklich achten?
Dass Rauchen und ein zuviel an Alkohol generell schlecht sind und die Fruchtbarkeit massiv schädigen, ist mittlerweile Allgemeinwissen. Jüngst liest man nun bei BBC online, dass auch Kaffee die Fruchtbarkeit um gut zehn Prozent senken könnte. Bill Ledger, Fertilitätsexperte der Universität Sheffield erklärt, dass Koffein einen leicht giftigen Effekt auf Eierstöcke und Spermien ausüben könne. Also für die Frau Morgens fruchtbarkeitsfördernden Frauenmantel-Tee und für den Mann einen kräftigen Schluck Storchenschnabel-Aufguss? Ob das gut ist für die Stimmung?
Mit Sicherheit ist es übertrieben, völlig auf Kaffee zu verzichten. Der englische Experte betont einschränkend, dass seine Beobachtung nur bei Paaren gilt, die ohnehin Probleme haben, schwanger zu werden, denn er erklärt: „Viele Frauen können 20 Tassen Kaffee am Tag trinken und werden trotzdem ohne Probleme schwanger. Zu Problemen kommt es erst dann, wenn man erhöhte Kaffeemengen überdosiert zu sich nimmt.“
Doch nicht nur die Engländer, auch dänische Forscher, US-Amerikaner, Italiener und Spanier haben sich mit dem Thema Koffeinkonsum und Fruchtbarkeit beschäftigt.
Dr. Elmar Breitbach, Facharzt für Frauenheilkunde und Reproduktionsmedizin hat die Kaffeestudien hinterfragt. Sein Fazit: Die Studien zeigen kein einheitliches Bild. Aber sie lassen trotzdem Schlussfolgerungen zu, die beim Rätsel wieviel Kaffee bei Kinderwunsch denn nun sein darf, helfen.
Generell lässt sich nach Dr. Breitbach sagen:
- Die Studien zeigen, dass Kaffee Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat
- Wie hoch dieser Einfluss ist, hängt von der konsumierten Menge ab
- Als Grenzwerte, ab denen ein negativer Effekt auftritt, werden am häufigsten zwischen 300 und 500 mg Koffein am Tag genannt (siehe Liste unten)
- Eine Endometriose kann durch Koffein verstärkt werden
- Raucherinnen müssen sich keine Gedanken darum machen, ob Kaffeekonsum für sie gut ist – sie haben durch die Zigaretten ihre Fruchtbarkeit schon so weit geschädigt, dass es keine Rolle mehr spielt, wie viel Koffein sie zu sich nehmen.
- Chronisch erhöhte Östrogenspiegel und tägliche Koffeinmenge können im Zusammenhang stehen
- Auch Tee und Kakao enthalten Koffein, allerdings dürfte dies keine entscheidende Rolle spielen, da man davon ausgehen kann, dass ein bis zwei Tassen Kaffee am Tag keinerlei Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben
Ein Zuviel an Koffein merkt der Körper schnell: Man fängt an zu zittern und das Herz pocht. Schweißausbrüche, Übelkeit und Schwindelgefühl können die Folge sein. Auch ohne Kinderwunsch sollten nicht mehr als vier bis sechs Tassen Kaffe oder ein Liter Tee getrunken werden. Schwangere und die, die es werden möchten, sollten sich am besten am unteren Richtwert 300mg am Tag halten.
Wieviel Koffein ist in welchem Getränk?
| Tasse Filterkaffee |
125 ml |
80-120mg Koffein |
| Tasse Instantkaffee |
125 ml |
100 mg Kofffein |
| Tasse entcoffeinierter Kaffee |
125 ml |
3 mg Koffein |
| Espresso |
50 ml |
50 -100 mg Koffein |
| Latte macchiato (Basis 1 Espresso) |
200ml |
50 -100 mg Koffein |
| Becher Schwarzer Tee |
250 ml |
70 mg Koffein |
| Becher Grüner Tee (nicht Kräutertee!) |
250 ml |
66 mg Koffein |
| Becher Kakao |
250 ml |
16 mg Koffein |
| Energydrink |
250 ml |
80 mg Koffein |
| Glas Cola |
200 ml |
30 -70 mg Koffein |
| Zartbitterschokolade |
100g |
10 - 80 mg Koffein |
| Milchschokolade |
100g |
15 - 20 mg Koffein |
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung/ Stiftung Warentest
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