Gerade in den ersten Schwangerschaftswochen werden Übelkeit und Schwindelgefühl für viele werdende Mütter zu einer Art Dauerzustand. Reichlich unangenehm, wenn der eigene Körper sich plötzlich so anders anfühlt und der Hormonrausch einem so sehr zu schaffen macht. Meist legt sich diese unangenehme Begleiterscheinung gegen Ende des ersten Trimesters. Neue Studien aus den USA und Kanada können Betroffene vielleicht ein wenig trösten: Es gilt als erwiesen, dass Frauen, die unter Schwangerschaftsübelkeit leiden, weniger Fehlgeburten haben.
Frauen, die das Glück haben, dass es ihnen blendend geht, müssen sich deswegen aber keine Sorgen machen, erklärt Dr. Ronna L. Chan von der Universität von North Carolina: „Nicht alle Frauen müssen sich übergeben oder neigen zu Übelkeit. Schwangerschaftsymptome unterscheiden sich von Schwangerschaft zu Schwangerschaft, sogar bei derselben Mutter.“
Etwa 50 bis 90 Prozent aller Schwangeren wird in der Frühschwangerschaft schlecht, fanden Dr. Chan und ihr Team heraus. Schon frühere Studien haben gezeigt, dass diese Frauen weniger Fehlgeburten hatten. Das Forscherteam aus North Carolina hat dies nun genauer untersucht – an ihrer Studie nahmen mehr als 2.400 Schwangere teil. Das Besondere an der Studie: es gelang den Wissenschaftlern, die Frauen schon in der Kinderwunschphase anzusprechen, so dass auch wirklich die frühesten Schwangerschaftszeichen dokumentiert werden konnten.
Tatsächlich war 98 Prozent der Befragten ein wenig übel am Morgen. Immerhin 53 Prozent mussten sich wirklich übergeben und neigten zu Schwindelgefühlen. Bei elf Prozent der Studienteilnehmerinnen trat eine Fehlgeburt vor der 20. Schwangerschaftswoche ein. Bei den Frauen, die nicht unter schwerer Übelkeit gelitten hatten, war die Fehlgeburtsrate um 3,2 Prozent höher. Waren die werdenden Mütter ohne Übelkeit älter als 35 Jahre, lag das Risiko einer Fehlgeburt sogar um 12 Prozent höher als bei Gleichaltrigen mit Schwangerschaftsübelkeit.
Doch welches Fazit ziehen die Forscher aus ihren Beobachtungen? Die Studie zeigt, dass Schwangerschaftsübelkeit und das Risiko einer Fehlgeburt zusammenhängen, kann jedoch nicht erklären, wie Erbrechen und eine gesunde Schwangerschaft tatsächlich zusammenhängen. Dazu gibt es allerdings ein paar Vermutungen. So erklärt Dr. Chan: „Eine Erklärung könnte sein, das Übelkeit und Erbrechen ein Mechanismus sind, der die Schwangere dazu bewegt, möglichst wenig gefährliche Substanzen zu sich zu nehmen und sich zu schonen, um den Fötus zu schützen.“ Eine andere plausible Erklärung sei eine heftige körperliche Reaktion auf die Hormonumstellung – gelänge diese effektiver, sei auch das Fehlgeburtsrisiko geringer.
Es gibt noch eine zweite Studie, die ebenfalls Mut macht. Denn eine kanadische Studie zeigt, dass Kinder von Müttern, die unter morgendlicher Übelkeit litten, häufiger sehr intelligent sind.
Für diese kleine Studie aus Toronto befragten die Wissenschaftler 120 Frauen zu Beschwerden in der Schwangerschaft und untersuchten danach die drei- bis siebenjährigen Kinder der befragten Frauen. Das Ergebnis: Je heftiger die Beschwerden der Mutter waren, desto höher das Ergebnis ihres Kindes beim Intelligenztest.
Die Wissenschaftler vermuten, dass die Hormone, die die morgendliche Übelkeit verursachen, viele Funktionen haben – und eben auch für den Schutz des Gehirns des Fötus verantwortlich sind.
Und wenn Ihnen schon wieder flau wird, weil es ein wenig nach Essen riecht, Sie ständig das Gefühl haben, dass sich der Magen umdreht oder er dies auch tatsächlich mehrfach täglich tut, dann haben sie jetzt sogar einen vierfachen Trost:
- Die Übelkeit legt sich meist nach den ersten drei Schwangerschaftsmontaten
- Sie sind nicht allein, die meisten Schwangeren leiden unter Übelkeit
- Solche Schwangerschaftsbeschwerden mindern das Risiko einer Fehlgeburt
- Kinder von Müttern, denen in der Schwangerschaft häufig schlecht war, sind cleverer!
Bild: ©istockphoto
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