Vor allem im ersten Drittel der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter einem merkwürdigem Phänomen: Sie sind ganz besonders geruchsempfindlich. Sonja (31) ist mittlerweile in der 14. Schwangerschaftwoche. "Die
Übelkeit ist fast weg," berichtet sie. Sie kann endlich wieder normal essen und fühlt sich auch schon wieder besser. Wenn da nur nicht dieser merkwürdige Geruch im Wohnzimmer wäre. "Ich muss würgen, sobald ich den Raum betrete. Keine Ahnung warum. Es riecht so nach feuchtem Holz. Ob das von der Deckenvertäfelung kommt oder von den Fensterrahmen? Ich habe keine Erklärung dafür."
Doch dabei bleibt es nicht: "Ich ertrage auch den Duft von unserer Wäsche nicht mehr. Plötzlich finde ich, dass mein Lieblingsweichspüler widerlich riecht. Parfüm oder Creme mit Duftstoffen gehen auch gar nicht mehr." Sonjas Mann macht sich über seine Frau lustig. Doch der ist das Lachen vergangen. "Langsam schränkt mich meine Nase wirklich ein. Im Bus riechen alle Menschen so extrem nach nassen Klamotten und bei meiner Freundin musste ich gestern übereilt aufbrechen: Der Geruch des Katzenklos war überall."
70 Prozent der Schwangeren nehmen Gerüche intensiv wahr
Manche Schwangere reagieren vor allem auf Gerüche von Nahrungsmitteln wie Kohl oder
Fisch sehr sensibel, anderen wird übel bei Duftaromen von Putzmitteln oder Körperpflege. Schwedische Wissenschaftler haben 120 schwangere Frauen befragt, um mehr über die Geruchswahrnehmung werdender Mütter herauszufinden. Erstaunliche 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Gerüche intensiver wahrnehmen, gut 60 Prozent hatten das Gefühl, dass bestimmte Duftstoffe so unangenehm sind, dass sie Übelkeit und Erbrechen auslösen. Und 14 Prozent der Probandinnen nahmen so genannte Phantomgerüche wahr, die gar nicht exisitierten.
Die Forscher verglichen im Anschluss, ob das ausgeprägte Riechen nur so wahrgenommen wird oder ob die Frauen wirklich besser Gerüche verarbeiten können. Sie ließen schwangere Frauen und Nichtschwangere an verschiedenen Proben schnuppern. Tatsächlich nahmen die Schwangeren Geruchsstoffe wesentlich besser wahr, und das auch schon in ganz niedriger Konzentration.
Schutzmechanismus für das Ungeborene
Dieser Effekt wird als Hyperosmie bezeichnet. Wieso dieses Phänomen existiert ist nicht genau geklärt, Forscher gehen davon davon aus, dass es sich um einen uralten Schutzmechnanismus des weiblichen Körpers handelt. Dadurch, dass die bestimmte Nahrungsmittel und Gerüche als so unangenehm empfunden werden, wird verhindert, dass Schwangere bestimmte Dinge zu sich nehmen. Und so wird das Ungeborene vor eventuell schädlichen Substanzen geschützt, etwa Koffein (Kaffee),
Toxoplasmose (Fleisch),
Ethanol (Alkohol),
Nikotin (Zigaretten) oder
Pflanzenschutzmittel-Rückständen (Obst, Gemüse).
Dass diese These vielleicht stimmt, wird durch die Tatsache gesützt, dass das Geruchsempfinden meist nur im ersten Schwangerschaftsdrittel so extrem ist. Dies ist genau die Zeit, in der die Organe des Kindes gebildet werden und der Embryo besonders empfindlich ist.
Schwangere, die besonders geruchsempfindlich sind, sollten zunächst versuchen, die Duftstoffe, die besonders unangenehm sind, zu vermeiden. Manchmal helfen auch ätherische Öle oder das homöopathische Mittel Sepia D6 (Standarddosis: dreimal täglich fünf Globuli). Insbesondere Hebammen haben oft gute Tipps - vielleicht ein Anlass, schon einmal eine
gute Hebamme zu suchen.
In den meisten Fällen müssen Schwangere nicht auf den nächsten
Schnupfen warten, bis sie von den Gerüchen, die überall lauern wieder befreit werden. Meist ist spätestens zur Mitte der Schwangerschaft hin das Geruchsempfinden wieder ganz normal. Nur sehr wenige Schwangere behalten die Spürhundnase bis zur Geburt, mit der Hormonumstellung ist das Phänomen dann bei fast allen frischgebackenen Müttern verschwunden und sie schnuppern nur den unvergleichlich guten Duft eines Neugeborenen.
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Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Konnten oder können Sie in der Schwangerschaft etwas im wahrsten Sinne des Wortes "nicht riechen"?
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