Wenn Eltern wütend werden

Wenn Eltern wütend werden

Mütter sind immer lieb und geduldig? Nein, denn Kinder sind es ja auch nicht. Sie bringen ihre Eltern manchmal zur Weißglut. Wie beherrscht man die eigenen Aggressionen? Und wieviel Wut tut manchmal auch gut?
Den ganzen Nachmittag lang war Mia schon maulig. Es fällt ihrer Mutter Tanja immer schwerer ruhig zu bleiben. Um die Zweijähre wieder zu beruhigen, gibt die Mutter ihr einen Schokokeks. Und einen Becher Milch. "Der Keks ist doof. Und die Milch auch," Mia nimmt den Becher und wirft ihn um. Die ganze Milch ist auf Tanjas Hose und natürlich auf dem Tisch und den Boden. Tanja sieht rot. Sie schreit die Kleine an, packt sie sehr fest und wirft sie mit voller Wucht in ihr Bett. Sie geht runter in die Küche, Mia weint oben. Das schlechte Gewissen ergreift Tanja. Wie konnte sie sich nur so gehen lassen? Warum hat sie sich so provozieren lassen? Wieso konnte sie so furchtbar wütend auf Mia werden? Was hatte sie falsch gemacht?

Woher kommt die Wut?
 
Nicht nur Tanja begegnet im Erziehungsalltag ihrer eigenen Wut. Kinder können ihre Eltern wahnsinnig aggressiv machen. Und nicht immer verhält man sich in so einer Situation pädagogisch richtig. Fast jede Mutter schreit irgendwann ihr Kind einmal laut an oder packt es grob. Die meisten schaffen es immerhin, den eignen Zorn so zügeln, dass ihnen die Hand nicht ausrutscht. Auch wenn die Faust geballt ist.
 
Doch woher kommt diese wahnsinnige Wut, in der das geliebte Kind nur noch als schrecklich wahrgenommen wird? Das kann viele Ursachen haben. Oft sind Eltern verunsichert, wie sie ein Kind erziehen sollen. Sie möchten alles richtig machen und fühlen sich dabei überfordert. In Auseinandersetztungen mit ihrem Kind fühlen sie sich dann machtlos und frustriert. Aus Verunsicherung und Überforderung wird Wut.
 
Aber auch eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Alltag als Hausfrau und Mutter oder  permanter Zeitdruck durch das Zerreiben zwischen Beruftstätigkeit und Familie können reizbar machen. Wenn der Nachwuchs dann auch noch besonders laut, frech oder störrisch ist, ist der Bogen bei den ohnehin so strapazierten Nerven überspannt und die Wut bricht durch.
 
Es kann auch ein konkretes Verhalten des Kindes sein, das besonders ärgert. Wenn der kleine Mensch besonder bummelt, obwohl die Mutter einen wichtigen Termin hat, das Kind mitten im Laden einen Nörgelanfall bekommt, dann sind das alles Verhaltensmuster, die Agressionen auslösen können. Meist auch nur verständlich. Schwierig wird es, wenn das Kind einen Charakterzug an den Tag legt, den Eltern bei sich selbst ablehnen. Wenn eine Mutter sich etwa besonders über die Schüchternheit ihrer Tochter ärgert und selbst große Schwierigkeiten hat, auf Fremde zuzugehen.

Darf man auf das eigene Kind wütend sein?
 
Eltern können überhaupt gar nicht immer lieb und verständnisvoll sein. Denn Kinder können furchtbar provozieren. Wut ist eine normale Reaktion auf eine Provokation. Aber gerade Mütter gestehen sich diese Wut nicht zu. Dabei ist es wichtig, die eigenen Gefühle zu verstehen um auch zu überlegen, wie man mit ihnen am besten umgeht.
 
Wichtig ist es, der Wut nachzuspüren. Gab es wirklich einen konkreten Anlass? Warum war ich so aggressiv? Müttter von sehr kleinen Kindern fühlen sich oft isoliert und allein. Hier hilft es, sich eine klare Tagesstruktur zu setzen und Kontakte zu anderen Frauen in ähnlicher Sitution zu suchen.
 
Wer feststellt, dass die Wut immer allgegenwärtig ist und die Nerven immer blank liegen, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Etwa bei einer Erziehungsberatungsstelle oder  in einer psychotherapeutischen Praxis. Das Gleiche gilt auch für Eltern, die ihre Wut nicht kontrollieren können. Fast alle Eltern kochen manchmal so vor Zorn, dass sie dem Kind weh tun wollen. Mit Worten oder mit grobem Anfassen. Der Kontrollmechanismus setzt aber eine Grenze: Fest anpacken und ins Zimmer setzen ist erlaubt, Schlagen sollte tabu sein. Wenn es das nicht ist, sollte Hilfe gesucht werden.

Was tun bei einem Wutanfall?
 
Was tun, wenn man vor Zorn rot sieht? Hier eine kleine Sammlung an Hilfestellungen, wie man Wutanfälle kontrollieren kann:
 
• Abstand gewinnen. Erst einmal selbst aus dem Zimmer gehen. Ein Kleinkind in den Kinderwagen setzten und gemeinsam an die frische Luft gehen.

• Ganz bewusst ein- und ausatmen, am besten vor einem offenen Fenster. So kommt mehr Sauerstoff an das Hirn und die Durchblutung wird angeregt. Fördert auch die Fähigkeit, ruhig und überlegt zu handeln.
 
• Mit Gegenständen werfen hilft. Aber nur mit weichen Dingen wie Kissen schmeißen. Gemeinsames Lachen bei einer Kissenschlacht macht auch vieles wieder gut.
 
• Wenn Schimpfen nötig ist, auf Wortwahl und Tonfall achten. Dem Kind nicht sagen "Du bist schlimm," sondern "Was du gemacht hast, ist schlimm." Nicht unbedingt laut schreien, ein strenger ernster Tonfall kann mehr bewirken.
 
• Körperlicher Kontakt kann Spannung lösen. Es ist vielleicht hilfreich, das Kind fest in den Arm zu nehmen.

• Es kommt vor, dass Eltern ihr Kind schlagen. Wenn dies aber heftig ist oder häufiger geschieht, sollte sofort Hilfe gesucht werden. 
 
• Nach einem Wutausbruch beim Kind entschuldigen. Und zwar möglichst kurz danach. Wichtig ist, dem Kind noch einmal zu erklären, warum das Verhalten so wütend gemacht hat. Und sich aufrichtig zu entschuldigen, wenn ihre Reaktion unangemessen war.

Wut ist ein Gefühl, das meist unterdrückt wird. Wenn Wut zu lange gärt, kann sie gefährlich werden. Wichtig ist, die eigenen Gefühle zu verstehen und auch zu zulassen. Denn Wut kann auch eine positive Kraft sein, die hilft endlich auszusprechen, was stört, Lebenumstände zu ändern und Energie freizusetzen.
 
Manchmal tut Wut gut.
 
Buchtipp: Cornelia Nack: Wenn Eltern aus der Haut fahren. Von der Unmöglichkeit, immer liebevoll, geduldig und ausgeglichen zu sein. Kösel-Verlag (leider vegriffen, aber gebraucht im Internet zu finden).
 
Liebe Userinnen, wie geht es Ihnen. Hat Ihr Kind Sie auch schon einmal richtig wütend gemacht? Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?
Kommentieren
 
Ihr Name:
Überschrift:
Kommentar:
Zeichen zur Verfügung
Bitte übertragen Sie den Code:
Zahl der Kommentare: 6
mein kleiner mutzl
Absender des Kommentars pöschke 07.11.2011
Ich finde es schon mal gut, dass es Mütter gibt die dazu stehen. Die meisten sind ja perfekt. Aber ein alten scheiß. Grade heute hat mein kleiner (4 Monate) bis auf wenige Stunden, nur mit brüllen verbracht. Ich hab keine Ahnung was er hatte. Aber ich hätte durchdrehen können. Bin dann mal kurz grob geworden. Da hat er mich mit seinen großen Augen angeguckt und fürchterlich geweint. Ich heul jetzt noch wenn ich daran denke. Dann hab ich mich gleich unter Tränen bei ihm entschuldigt. Das macht es wahrscheinlich nicht besser, wenn dann auch noch die Mama weint.
Kommentieren | Missbrauch melden
Zorn
Absender des Kommentars Marlies 05.07.2011
Mein Kind ist 7 Jahre alt. Er kann mein Mann ärgern nur aus Spaß. 'Er will mit ihm spielen, aber mein Mann kann sein Gefühl des Zornes nicht beherschen. Er wird immer zornig. Er kann mein Kind wütend machen. Zum Glück hat er mir. Ich muß ihn beschützen. Er ärgert gerne, wenn jemand überempfindlich ist. Er ähnet mir. Deshalb verstehe ich ihn. Ich wuchs mein Kindheit sehr schön. Mein Eltern schlagen mir nie, obwohl sie viel arbeiten. Beiden waren berufstätig. Ich bewundern Ihr große Geduld. Ich ähnelt ihr. Mein Mann aber nicht. Er soll sich einfach beherschen, meine ich. Wenn mein Kind micht ärgert, finde ich es toll. Das ist doch Positives. Ich werde nur wütend, wenn er jemand wirklich wehtun. Mehr nicht. Mein Mann meint, ich soll an seinen Stelle stehe. Soll ich es tun?
Kommentieren | Missbrauch melden
zwillinge
Absender des Kommentars selina 23.05.2011
ich bin zwar nicht alleinerziehend, hab aber zwei 5 monate alte babies.Meine Schwiegermutter nimmt die beiden kleinen jede woche halbtags, und abends kommt auch mein Mann zu hilfe. Ansonsten bin ich aber alleine mit ihnen. In letzter zeit quängeln oder brüllen sie des öftern beim einschlafen oder hungrig sein [essen nicht richtig]. Das macht mich manchmal fast wahnsinnig.Unsannft aufgenommen hab ich sie dann auch schon mal... Das tut mir danach so unendlich leid... ich hab gemerkt, dass wenn ich die situation "laut" erläutere, mich dass dann mehr und mehr beruhigt. Von wegen "wenn ihr nie richtig esst,dann habt ihr natürlich hunger..." .Zwar müssen die beiden mein gezeter anhören,aber besser als dass mir die hand ausrutscht. was ich allerdings nicht versteh ist, dass ich soooo wütend werde. die verstehn ja noch nichts...
Kommentieren | Missbrauch melden
bin traurig
Absender des Kommentars lila 19.03.2011
mir ist es leider sogar schon passiert dass mir die Hand ausgeruscht ist. Ich finde das furchtbar!!! Ein Kind zu schlagen ist das Allerletzte und gerade ich habe das getan. Ich könnte heulen vor verzweiflung. Ich bin für absolut Gewaltfreie Erziehung und will dass das nie wieder vorkommt aber ich habe Angst das ich jetzt eine Grenze überschritten habe und vielleicht wieder zuschlage... ich hab sie zwar nicht verprügelt aber ich habe ihr eine Ohrfeige gegeben weil sie ständig ihrer kleinen Schwester alles wegnimmt und nicht und nicht aufhört. Ihr auch weh tut dabei. Ich konnte nicht mehr - hab ihr eine geknallt. Danach hab ich mich gleich entschuldigt aber es ist so unverzeilich. Das Problem ist das ich in der Situation nicht aus dem Zimmer kann - ich kann sie unmöglich mit dem Baby alleine lassen - sonst tut sie ihr weh. Ich fürchte mich einfach davor dass es wieder passieren kann. I
Kommentieren | Missbrauch melden
Dito
Absender des Kommentars Lyttos 18.01.2011
Meine Tochter ist 7 Monate und ich bin von Beginn an alleinerziehende Mutter ohne Hilfe durch Familie oder Freunde.
Kenne ich auch, dass mich die Kleine zur Weißglut bringt und ich mich manchmal sehr stark beherrschen muß um nicht aus der Haut zu fahren.
Sie ist ein Sonnenschein aber beim Einschlafen gibt es jedesmal totales Theater, manchmal zieht sich das über 2 - 3 Stunden (Geschrei, Geheule). Da ich 24 Stunden am Tag mit ihr zusammen bin und sie nirgendwo "abgeben" kann, liegen die Nerven sowieso blank. Beim Jugendamt war ich schon (Tagesmutter) aber die konnten mir für ein 7 Monate junges Baby keine Tagesmutter vermitteln.
Jedenfalls hab ich mich auch schon dabei erwischt, laut geworden zu sein und mein Baby zu fest angepackt zu haben. Mir tut das sofort superdoll leid und ich versuche ihr mit Ruhe und Verständnis zu begegnen, was aber leider nicht immer gelingt. Hoffentlich rutscht mir nie die Hand aus.
Gruß
Lyttos
Kommentieren | Missbrauch melden
Oh ja
Absender des Kommentars TinyS 08.01.2011
... mir geht es gerade so, dass ich schon zwei dreimal gemerkt habe, dass ich richtig doll wütend werde. Meine Tochter ist erst 9 Monate alt und ich habe Angst, dass ich ihr mal weh tun könnte, wenn ich so wütend bin. Habe nachts das Problem, dass sie manchmal nicht schlafen will und mich doll kneift und mir weh tut. Das macht mich aggressiv. Ich dachte ich lese mal, ob man sich selbst helfen kann. Ich hatte sie dann wirklich schon etwas grob angefasst und angefahren, sie soll jetzt aufhören mich zu kneifen. Versteht sie aber noch nicht so recht. Hab sie dann aber gleich wieder an mich gedrückt und sofort ein schlechtes Gewissen gehabt. Ich hab echt Angst, dass mir später viell. mal die Hand ausrutscht, weil ich zwar zu ihr bis jetzt immer liebevoll war, aber sonst ein sehr temperamentvoller Mensch bin, der leicht wütend wird. Bei fremden Kindern war ich viel ruhiger früher, aber gerade das eigene Kind, das ist doch der größte Schatz oder? Wie kann man da so wütend werden?
Kommentieren | Missbrauch melden

Sämtliche Rechte vorbehalten, keine Vervielfältigung. Sandviks Verlag GmbH, CH-5442 Fislisbach.


Datenschutz | Nutzungsbedingungen | Impressum | Sitemap

Sandviks Verlag GmbH mit der Marke GoBo Kinder ist eine
Tochter von Sandviks AS in Norwegen.

Besuchen Sie auch:
gobo-kinder.de | mein123.de | meinegrossewelt.de