Leben nach dem Cupcake-Prinzip

Cupcakes, das sind diese bunten, furchtbar süßen kleinen Kuchen. Ihr schrilles, witziges und immer wieder anderes Sahnehäubchen unterscheidet sie von einem Muffin. Mit dem Cupcake-Prinzip wird der Alltag einfach aufregender – vor allem für Eltern, findet Redakteurin Silke R. Plagge.

Es gibt diese schrecklich drögen Tage. Fad und langweilig, wie ein altes Knäckebrot. Man knabbert sich so durch und wird nicht einmal besonders satt. Als Mutter kenne ich solche Knäckebrot-Tage nur zu gut. Meist fangen sie mit einer durchwachten Nacht an. Kind 1 wacht gegen 1 Uhr auf und möchte nach einem Albtraum getröstet werden, zwei Stunden später meldet sich Kind 2 und hat Durst. Kaum bin ich wieder eingeschlafen, klingelt der Wecker. So fühlt es sich zumindest an.

Und irgendwie gestaltet sich alles an so einem Tag alles nervig. Am Morgen wird es anstrengend, die Kinder fertig zu machen, das Telefon klingelt und der Mann sucht maulend seine Socken. Auf der Arbeit fällt eine Kollegin aus und der Nachmittag… Ach, lassen wir das, jeder kennt diese Ach-nö-muss-das-auch-noch-sein-Tage. Knäckebrot eben. Na klar, es gibt noch viel, viel schlimmere Tage. Richtige Katastrophen-Tage.

Aber es gibt auch Menschen, die scheinbar nie auf Diät sind. Wie etwa meine Freundin Carola. Carola ist alleinerziehende Mutter. Ihre Zwilllinge Greta und Carl sind zwei Jahre alt und Carolas Wohnung ist immer völlig chaotisch. Und dabei so einladend, denn kaum klingelt man bei Carola, bekommt man einen Stuhl unter den Po geschoben und eine Tasse mit einer dampfenden Köstlichkeit serviert.

„Probier mal, meine neueste Kaffeemischung. Mit echter Crema. Besser als in jedem Coffeeshop.“ Bei Carola gibt es immer Coffee-to-stay. Sie strahlt Lebenslust pur aus, wenn sie auf ihrem kleinen Balkon Basilikum erntet oder über ihren Handarbeitsshop im Internet erzählt. Knäckebrot? Gibt es bei ihr nicht. Denn Carola lebt nach dem Cupcake-Prinzip.

Cupcakes kommen genau wie der Coffee-to-go und Muffins aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ihr Teig ist eigentlich wie ein Muffin. Und die sind ja schon besser als Knäckebrot, wenn auch vielleicht nicht so gesund. Doch Cupcakes sind magisch. Eine amerikanische Autorin ist sogar überzeugt, dass Cupcakes Leben retten können. In Städten, in denen es viele Cupcake-Läden gäbe, so erklärt sie, sei die Selbstmordrate deutlich niedriger.

Cupcake

Das besondere an den kleinen Küchlein sind die Sahnehäubchen. Denn das was obendrauf ist, macht sie einmalig. Eine raffinierte Mischung Erdbeersahne mit einem Hauch Pistazie, Variationen aus Schoko mit Minze oder ein paar Glitzerstreusel verleihen einem eher wenig aufregenden Gebäck einen Hauch von Glamour. Es gibt zwar Leute, die die kleinen Mini-Kunstwerke für schnelle Happen halten – aber die liegen völlig daneben. Cupcakes bieten Kreativität auf kleinstem Raum. Sie sind schnell verputzt und haben reichlich Kalorien. Aber sie verleihen dem Leben Luxus.

Und genauso einen Hauch Luxus lebt eben auch Carola. Auf einen Cupcake gehört ein Frosting. So ein Häubchen aus Buttercreme mit Schokolade, bei dem man schon beim Anblick merkt, dass die Hose anfängt zu kneifen. Carola hat nur einen kleinen Balkon? Na und? Sie freut sich, dass genug Platz für einen Stuhl und für ein paar schöne Kräuter sind. Klar ist bei ihr Geld oft knapp. Sie gönnt sich dafür den Luxus ihrer Kaffeemischungen – die sie mit ihren Freundinnen teilt.

Carola hat eigentlich etwas ganz anderes gelernt, aber sie möchte gern von ihrer Kreativität leben. Und ist davon überzeugt, dass ihre Handarbeiten im Internet eines Tage viele Kunden finden werden. Andere würden klagen, dass sie neben Kinderbetreuung und faden Bürojob in den Abendstunden an der Nähmaschine hocken müssen. Carola nicht. Denn Menschen, die nach dem Cupcake-Prinzip leben, freuen sich über ihre Sahnecreme. Und das ist für Carola der Stolz, wenn sie wieder ein selbstgenähtes Kleid in der Hand hält und weiß, dass es dafür schon eine Kundin gibt.

Auch das ist das besondere an Cupcakes. Ein Hauch von Nichts, leicht und fluffig. Ohne Plan und viel Nachdenken, den Augenblick genießen und ihm das Einmalige sehen. An einem Tag, die Kinder einfach mal nicht in den Kindergarten bringen, sondern an den Badesee fahren und dort im Sand stundenlang eine Burg bauen und abends im Bett noch Sand zwischen den Zehen spüren. Hinter der unaufgeräumten Wohnung einfach die Tür zu machen und mit dem Baby im Kinderwagen und der besten Freundin den Vormittag im Café sitzen. Augen auf und reinbeißen in das Leben. Denn es kann bunt und süß sein – mit gänzlich unerwarteten Geschmackskombinationen aufwarten. Hmmm.

Bild oben: © sidsnapper/istockphoto
Bild mitte: ©bossacafez/flickr.com

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