Geschlechtsbestimmung – ab wann?

Ab wann darf das Baby geoutet werden?

Schwanger sein ist spannend. Und zwar so sehr, dass sich einige werdende Mütter auch ganz schnell aufregen können. Zum Beispiel darüber, dass Frauenärzte oft schon das Geschlecht des Babys kennen, es den Eltern aber nicht verraten. Das dürfen sie nämlich nicht. Ein Aufreger? Diskutieren Sie mit!

Manche Frauen hibbeln viele Jahre. Und dann ist er da der magische Moment. Ein positiver Schwangerschaftstest! Ein Test? So richtig glauben konnte Eva das Ergebnis nicht. Doch auch der zweite Test war eindeutig. Schwanger! Nach fünf Jahren Kinderwunsch, vielen Untersuchungen und einer monatelangen Hormonbehandlung war es tatsächlich soweit.

Der Bluttest in der Kinderwunschpraxis am nächsten Tag bestätigte, was die Tests schon angezeigt hatte. „Jeden Tag wuchs unsere Vorfreude“, sagt Eva. Und auch das Baby wuchs und wuchs. Zunächst konnte das Paar auf dem Ultraschall nur sehen, dass ein winziges eiförmiges Etwas in der Gebärmutter war. „Beim zweiten Ultraschall sahen wir ein Herz pochen. Ein richtiges Leben wuchs in mir, da liefen mir die Tränen nur so runter“, sagt Eva und streichelt ihren Bauch, ganz zart.

Die weitere Vorsorge findet nicht mehr in der Kinderwunschpraxis, sondern bei Evas Frauenarzt statt. Endlich erhält sie ihren langersehnten Mutterpass. „Als nächstes stand das Erstsemester-Screening an. Ich war so aufgeregt. Und ich wollte so gern wissen, ob wir einen Jungen oder ein Mädchen bekommen“, erzählt die Mutter. Doch Eva wird enttäuscht. „Natürlich habe ich mich sehr gefreut, dass das Baby gesund ist. Aber der untersuchende Facharzt sagte, dass er mir nicht sagen dürfe, welches Geschlecht das Kind habe. Das sei eben Gesetz in Deutschland.“ Warum darf denn ein Fachmann gerade bei einem langersehnten Wunschkind keine Ausnahme machen? Welchen Sinn hat so ein Gesetz?

Ab wann können Experten überhaupt das Geschlecht des Kindes sehen?

Die Ultraschallgeräte werden immer mehr verfeinert. Doch tatsächlich können selbst erfahrene Spezialisten das Geschlecht in der 11. Schwangerschaftswoche nicht immer eindeutig erkennen. Ab der 12. Schwangerschaftswoche sind Prognosen oft schon möglich. Die Ultraschall-Expertin Dr. Annegret Geipel erklärt: „ Die Geschlechtsbestimmung des Kindes spielt für uns Mediziner eher eine untergeordnete Rolle, auch wenn wir das teilweise schon in der 12. Schwangerschaftswoche sehen und in der Regel ab der 16. Woche relativ sicher sagen können.“ Denn im Vordergrund der Untersuchungen steht klar die Gesundheit des Kindes.

Ein Grund, warum die Mediziner früher meist das Geschlecht nicht vor der 16. Woche bekannt gaben, war die Trefferquote der Prognose. Nicht jedes Kind „outete“ sich. Doch immer wieder erzählten einige Schwangere ihren neidischen Freundinnen, wie früh sie gewusst hätten, ob das Kinderzimmer in rosa oder blau gestrichen werden sollte.

Warum erfahren einige Mütter das Geschlecht schon in der 13. SSW, andere erst in der 15. SSW?

Tatsächlich erfahren die meisten Frauen das zur gleichen Zeit. Allerdings wird sehr oft nicht daran gedacht, dass Schwangere die Wochen anders zählen als Mediziner. Die meisten Mütter rechnen so, dass sie die Wochen nach der letzten Menstruation zählen (Schwangerschaftswochen p.m.), die Mediziner rechnen die Wochen nach der Empfängnis (Schwangerschaftswochen p.c.). Der Gesetzgeber orientiert sich an der Rechung der Mediziner.

Das Gesetz auf das sich der Mediziner bei der schwangeren Eva beruft ist tatsächlich neu. Seit 2010 gilt das Gendiagnostik- Gesetz (GenDG). „Was die Geschlechtsbestimmung betrifft, präzisiert das Gesetz nur was auch schon vorher galt“, erklärt Prof. Dr. Klaus Vetter (Bild) von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) der liliput-lounge im Interview.

Denn auch wenn Präimplantationsdiagnostik (PID) oder eine Chorionzottenbiopsie schon zu Beginn einer Schwangerschaft, bei Verfahren wie IVF sogar vor dem Einsetzen des Embryos die Geschlechtsbestimmung möglich machen, vor der 12. Schwangerschaftswoche p.c. (d. h. vor der 14. Schwangerschaftswoche p.m.) dürfen die Mediziner nicht sagen, ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen wird. „Bis zum Ablauf der Frist für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch ist die Bekanntgabe des Geschlechtes ausdrücklich verboten.“ So soll verhindert werden, dass Kinder abgetrieben werden, weil die Eltern sich ein anderes Geschlecht gewünscht haben.

Aber wenn sich Eltern doch ein Kind sehr gewünscht haben?

„Das Gesetz ist da eindeutig, Ausnahmen sind nicht erlaubt“, sagt Prof. Dr. Klaus Vetter. Denn nach § 3 GenDG zählen zu den genetischen Untersuchungen genetische Laboranalysen und „vorgeburtliche Risikoabklärungen“.

Damit ist ausdrücklich auch das Ersttrimester-Screening gemeint, das aus mütterlichem Blut und das Nackenfalten-Screening besteht, und genetische Untersuchungen wie z.B. eine Chorionzottenbiopsie. Im §15 des gleichen Gesetzes steht: „Wird anlässlich einer Untersuchung nach Satz 1 oder einer sonstigen vorgeburtlichen Untersuchung das Geschlecht eines Embryos oder Fötus festgestellt, kann dies der Schwangeren mit ihrer Einwilligung nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitgeteilt werden.“

In der Praxis der Frauenärzte ändert dieser Aspekt des neuen Gesetzes wenig

Auch vorher galt ja schon das Gebot, erst dann eine Prognose über das Geschlecht zu geben, wenn dies wirklich kein Grund mehr für eine Abtreibung sein konnte. Ein anderer Aspekt des GenDG jedoch wird zukünftig jede Schwangere betreffen. „Jede Schwangere soll intensiv zu möglichen genetischen Schäden beraten werden.” Wie genau die Inhalt dieser Beratung aussehen soll, damit beschäftigt sich eine Expertenkommission beim Robert-Koch-Institut – ihr gehört auch Prof. Dr. Vetter an. Keine einfache Aufgabe, zum nächsten Jahr sollen Richtlinien erarbeitet sein.

Ob Eltern nun eine Jungen oder ein Mädchen nach 38 bzw. 40 Schwangerschaftswochen, je nach Rechnung, in den Arm nehmen dürfen, das werden sie weiterhin erst im zweiten Schwangerschaftsdrittel erfahren - jedenfalls in Deutschland. In Polen beispielsweise wird den Eltern das Geschlecht schon früher verraten. Dort ist allerdings Abtreibung bei nicht-medizinischer Indikation auch verboten.

 

Wie richtig finden Sie es, dass ein Gesetz regelt, wann Ärzte Babys „outen“ dürfen? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit!

Bild oben: © Eileen Hart für istockphoto.com
Bild Mitte: © Vivantes Klinikum Neukölln

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Editorial vom 18.7.2011 zu diesem Artikel 

 

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Ist schon richtig!
Absender des Kommentars alex 01.12.2011
es gibt leider immer wieder Menschen, die ihr Kind abtreiben, weil es das falsche Geschlecht hat. In China (oder Japan?) zb. dürfen die Frauen nur max. 1 Kind bekommen und ich kann mir schon vorstellen, das da auf das richtige Geschlecht geachtet wird.
Und warum kann man nicht einfach die paar Wochen noch warten? Ist doch jetzt kein Beinbruch.
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...
Absender des Kommentars Romina 27.07.2011
Ich finde es absolut okay, mit der oben genannten Begründung, eine Abtreibung aus geschlechtsspezifischen Gründen vermeiden zu wollen. Denn, ob man es wahr haben will oder nicht, es gibt Menschen, die sind nun mal so abgebrüht...in vielen Teilen der Welt (China, Indien...) sind bspw. Mädchen absolut ungewollt und werden dann unmittelbar nach der Geburt getötet. Man kann nie hinter die Fassade blicken.
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13 SSW, Es war ein Junge !!!!
Absender des Kommentars Anita Schatzer 19.07.2011
Also bei mir war es so das ich in der 13.SS Woche beim Nackenfalten-Screening gefragt worden bin ob ich es wissen will ;)
"NATÜRLICH" habe ichlaut zu Ihr gesagt und grinste übers ganze Gesicht und sie hat gemeint zu 99% wird es Junge!
Also ich war selbst überrascht das man es soooo früh schon erkennen kann, kommt natürlich auch darauf an wie das Kind liegt usw...
War auch ein Wunschkind (Junge).
Aber wäre rausgekommen das es ein Mädchen werden würde hätte ich es dennoch NIE abtreiben lassen!

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kann ich nicht ganz verstehen...
Absender des Kommentars sandy 19.07.2011
also hier in österreich sagen sie einem einen prozentsatz was es werden könnte ab der 12. woche! wir wussten es ab der 13. woche bei der nackenfaltenmessung im krankenhaus! und da auch nur zu 75% eine abtreibung dürfe man doch sowieso nur bis zur 12. woche machen dass das geschlecht ein ausschlaggebender punkt für eine abtreibung sein soll kann ich gar nicht glauben dass es solche menschen gibt wenn man ein kind möchte sollte das geschlecht doch nicht ausschlaggebent sein ob man es liebt oder nicht!?!
bei uns stimmte die vermutung und wir erwarten ende august ein mädchen! bei unsrer ersten tochter hatten wir es erst in der 28. woche erfahren! leider ist unsre erste tochter auch ein sternenkind wir haben sie in der 41. woche verloren :(
für uns hätte es keine rolle gespielt ob junge oder mädchen aber es ist toll schon so früh zu wissen um einen "engeren" bezug zum kind aufzubauen!
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frechheit
Absender des Kommentars Angi 15.07.2011
Genau so ein fall hatte ich auch gehabt jetzt....Bin zur pränataldiagnostik gegangen, da war ich in der 13 SSW....Mit dem Baby ist alles super in ordnung, nur als ich wissen wollte was es wird, weil ich gesehen habe das sie mit dem ultraschall gerade an den geschlechtsteilen war, sagte sie mir ich dürfte dies nicht wissen....hab gedacht ich hör nicht richtig..weil ich weiß das sie es genau weiß...Ich war am donnerstag da, und ab sonntag war ich in der 14 SSW...da hab ich gefragt ob ich sie nicht am montag anrufen könne...NEIN, das geht dann auch nicht mehr....ich bin soo frustriert, da mir alle sagen das es ein mädchen wird (ich von einem mädchen träume, sogar den wunschname sage) dann haben wir letztes jahr unser wunschkind (mädchen) in der 22 ssw verloren....also hätte ich es einfach nur richtig gefunden, wenn die mir das gesagt hätten....
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