Vor einem Jahr war die Angst ein täglicher Begleiter. Wird der H1N1-Virus eine massive Bedrohung? Heute wissen wir: Die erste Influenza-Pandemie seit mehr als 40 Jahren hat weit weniger Opfer gefordert, als befüchtet. In Deutschland starben 253 Menschen. Aber die Sorge ist noch immer da. Könnte es in diesem Jahr vielleicht schlimmer werden? Wie schützen wir unsere Kinder?
Doch tatsächlich geben Experten Entwarnung. Zum aktuellen Zeitpunkt gehen sie davon aus, dass inzwischen viele Menschen in Deutschland und weltweit gegen das „Schweinegrippevirus“ geschützt sind. Mit einer Ausbreitung des Virus wie im letzten Jahr wird nicht gerechnet. Geschützt gegen das „Schweinegrippevirus“ ist:
- Jeder der bereits durch den Erreger angesteckt war
- Jeder, der gegen das „Schweinegrippevirus“ geimpft ist
Bisher gibt keine Anzeichen für größere Veränderungen des Erbgutes beim H1N1 Virus. Allerdings gibt es schon neue Varianten des Influenza-Virus, so dass bei gefährdeten Gruppen -vor allem bei Schwangeren - daher zu einer Impfung gegen Grippe geraten wird. Diese schützt sowohl gegen Influenza A und B und auch andere bekannte Varianten.
Was schützt vor Grippeviren?
Der wichtigste Schutz ist die Einhaltung von Hygenie. Es ist wichtig, auch kleine Kinder dazu anzuhalten, häufig die Hände zu waschen, und zwar 20 Sekunden lang mit Seife. Achten Sie darauf, dass die Kinder nicht mit anderen Trinkbecher oder ähnliches tauschen.
Wenn Sie hören, dass bei der Krabbelgruppe oder in der Krippe Grippesymptome grassieren, sollten Sie sich überlegen, ob es nicht besser für den Nachwuchs ist, zu Hause zu bleiben. Schwieriger haben es hier die Eltern von Schulkindern, denn sie können natürlich nicht den Unterricht ausfallen lassen, also im Zweifelsfall mit anderen Eltern und dem Klassenlehrer besprechen.
Generell sind gesunde Kinder, die reichlich trinken und ausgewogen vitaminreich ernährt werden, besser gegen Erkrankungen gewappnet: Sie verfügen über ein gesundes Immunsystem und können mit einem milderen Krankheitsverlauf rechnen. Je jünger die Kinder, desto höher leider die Chance, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, denn Lungenentzündungen oder Hirnhautentzündungen können auftreten.
Impfung wird nicht mehr für alle Kinder empfohlen!
Die ständige Impfkommission der Bundesregierung rät nur noch dazu besonders gefährdete Kinder, etwa mit chronischen Erkrankungen (z.B. Asthma bronchiale, Stoffwechselerkrankung, Herzfehlern) gegen Influenza zu impfen, da die Krankheit bei ihnen schwer verlaufen könnte. Diese Kinder sollten zusätzlich auch gegen Pneumokokken immunisiert werden, um einen schweren Verlauf einer Grippe zu verhindern.
Bei gesunden Kindern wird die saisonale Grippeimpfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht ausdrücklich empfohlen. Denn in der Regel sei nicht mit einem erhöhten Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes zu rechnen. Wer unsicher ist, sollte auf jeden Fall Rücksprache mit dem Kinderarzt halten.
Eine besondere Impfung gegen "Schweinegrippe" ist jetzt übrigens nicht mehr nötig. Der aktuelle Impfstoff gegen Grippe enthält Antigene gegen die aktuell weltweit vorkommenden Varianten des Influenza-Virus (A/H1N1, A/H3N2, B).
Wichtig ist die Impfung der Schwangeren
Kinder unter einem Jahr sind am meisten durch die Infektion gefährdet, denn sie dürfen das Medikament Tamiflu noch nicht einnehmen. Experten raten daher Schwangeren, sich impfen zu lassen, da Neugeborene so durch den so genannten "Nestschutz" geschützt werden. Eltern von Kindern unter sechs Monaten können ihre Kinder durch eine eigene Impfung und vor allem durch oben beschriebenen Maßnahmen vor einer Ansteckung bewahren.
Sorge wegen Impfschäden unbegründet
Immer wieder melden sich in Deutschland Impfgegner. Doch die meisten Krankheiten - und auch H1N1 - können nur durch eine umfassende Immunisierung ausgerottet werden. Mittlerweile wurden die Impfstoffe reichlich getestet. Kritiker befürchteten, dass Thiomersal, ein Verstärker des bei uns meist genutzten Impfstoffes Pandermix, schwerste Nebenwirkungen bei Kindern auslöse. Die Rede war von neurologischen Erkrankungen und Autismus. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Institute of Medicine in den USA und der europäischen Arzneimittelbehörde Emea zeigen umfangreiche Studien, dass diese Sorge nicht berechtigt ist.
Nebenwirkungen können allerdings auftreten
Harmlos ist die Impfung allerdings auch nicht. Wie bei jeder Imfpung kann es auch zu Nebenwirkungen kommen. Dies sind Schmerzen an der Einstichstelle, Schwellungen und Rötungen. In einigen Fällen treten auch leichte Kopf-, Glieder- und Gelenkschmerzen auf. In wenigen Fällen bekommen die Geimpften Fieber und fühlen sich schlapp. Nebenwirkungen sind leider nie auszuschließen, wurden bisher aber nicht gemeldet.
Schweinegrippe oder grippaler Infekt - wo ist der Unterschied?
Für einen Laien ist es schwierig, eine einfache fiebrige Erkältung von der Schweinegrippe zu unterscheiden. Ein Kleinkind mit Husten und Schnupfen, aber ohne Fieber über 38,5° leidet eher an einem so genannten gripalen Infekt, also an einer Erkältung. Diese kann auch mit leichtem Fieber verbunden sein, das Kind ist aber lebhaft und die Krankheit klingt schnell ab.
Ein charakteristisches Symptom der Neuen Grippe ist dagegen ein starker Reizhusten, erklärt Dr.Wilhelm Sedlak, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde. Hinzu kommen typische Grippesymptome wie hohes Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Muskel-, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen. Kleine Kinder neigen manchmal auch zu Durchfall, dies erhöht die Gefahr der Dehydrierung.
Je jünger Kinder sind, desto schwieriger kann man Symptome erkennen. Einjährige klagen nicht über Halsschmerzen, sie essen wenig oder weinen beim Schlucken. Wenn Kinder also einen starken Husten mit Fieber haben, sollten Eltern aufmerksam sein
Zeichen einer schweren Erkrankung sind Atmemprobleme wie sehr schnelles oder angestrengtes Atmen. Kommt noch eine bläuliche oder graue Verfärbung der Haut hinzu, sollte sofort der Notarzt gerufen werden.
Wie werden betroffene Kinder behandelt?
Generell müssen betroffene Kinder aber nicht unbedingt zum Arzt. Dr. Sedlak: "Das Wichtigste ist Bettruhe. Dazu viel Flüssigkeit, Wadenwickel, Brust einschmieren und Hustensaft verabreichen." Muskelschmerzen und Fieber können mit Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden.
Wenn die Erkrankung doch schwerer ist oder Eltern sich unsicher sind, sollten sie den Kinderarzt kontaktieren. Dies gilt generell für den Verdacht einer Influenzaerkrankung. Der Arzt muss abwägen, ob unter Umständen mit einem antiviralen Medikament behandelt wird.Tamiflu ist für Kinder ab einem Jahr zugelassen und hat bisher kein erhöhtes Risiko an Nebenwirkungen.
Aktuelle Informationen (Stand Nov. 2010):
Bundesgesundheitsministerium zu den akutellen Impfempfehlungen
Das Deutsche Grüne Kreuz für Gesundheit e.V. (DGK) zur Influenza/Grippe
Regionale Impfstellen:
Die Impfpraxis, ob in Imfpstellen oder bei niedergelassenen Ärzten geimpfte wird, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden.
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