Zuviel Eiweiß schuld am Kindstod?

Zuviel Protein schuld am Kindstod?

Lecker, so ein saftiges Stück Fleisch. Und auch gesund? Forscher wollten wissen, wie sich eine besonders eiweißreiche Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit auf das Neugeborene auswirkt. Ihr Fazit: Zuviel Proteine sind für die Mutter ungesund und erhöhen das Risiko des plötzlichen Kindstod. Was bedeutet das für Schwangere und Stillende?

Den Kampf mit der Waage kennen fast alle Frauen. Werdenden Müttern ist oft ziemlich unwohl beim Gedanken, dass die Pfunde immer mehr werden. Was, wenn das Extragewicht nicht mit der Geburt verschwindet? Die meisten Schwangeren halten allerdings trotz Sorge um das Hüftgold keine Diät ein – eine ausgewogene Ernährung ist ja besser für das Ungeborene.

Eiweißhaltige Diäten gefährden Mütter

Doch wenn das Baby da ist, möchten viele Frauen die Extrapfunde wieder loswerden. Auch wenn sie noch stillen. Immer wieder liest man in Publikationen und im Internet von besonderen Diäten, die auch schon in der Stillzeit erlaubt sind. Doch davon raten Experten dringend ab! Vor allem besonders eiweißhaltige Diäten, oft kombiniert mit einem Verzicht auf Kohlenhydrate, kann die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden. In der Stillzeit kann eine solche Ernährung die Niere ganz besonders belasten.

Wer tatsächlich den Kampf gegen die Kilos aufnehmen will, sollte sich von der Hebamme oder dem Arzt beraten lassen, viel Bewegung, ausreichend Trinken und regelmäßige Mahlzeiten über den Tag verteilt reichen oft schon.

Forscher wollten wissen: Wie wirkt sich das Protein auf das Kind aus?

Doch welche Auswirkungen hat eine besonders eiweißhaltige Ernährung in der Schwangerschaft und in der Stillzeit auf das Baby? Das wollte ein deutsch-englisches Wissenschaftlerteam herausfinden. Prof. Dr. Thomas Walther von der Justus-Liebig-Universität in Gießen und seine Kollegen, wollten dies durch ein Mausmodell untersuchen.

Schwangere und stillende Mäuse bekamen Nahrung mit unterschiedlichem Proteingehalt. Eine Gruppe wurde fast ausschließlich mit Eiweiß (41 Prozent) ernährt, die Kontrollgruppe erhielt ausgewogene Nahrung (21 Prozent Eiweiß). Die Nachkommen beider Gruppen wurden genau untersucht. Die Forscher nahmen an, dass sich eine einseitige Ernährung in der Schwangerschaft besonders negativ auf das Herz-Kreislaufsystem der Ungeborenen auswirken könne.

Mögliche Ursache für den plötzlichen Kindstod?

Die Annahme der Wissenschaftler erwies sich als falsch. Die Proteindiät führte nicht zu Kreislauferkrankungen, die Neugeborenen waren allerdings deutlich leichter als die in der Vergleichsgruppe – und die Diät-Mütter bekamen weniger Nachwuchs als die in der anderen Gruppe.

Doch ganz unerwartet, mussten die Forscher eine andere Auswirkung der Eiweißdiät feststellen. Neugeboren deren Mütter während in der Stillzeit eine Hocheiweißdiät bekamen, verstarben deutlich häufiger. Vom Nachwuchs der Proteingruppe verstarben 17 Prozent ohne erkennbaren medizinischen Grund, in der Kontrollgruppe 2 Prozent.

Die Autoren der Studie sehen als in diesem Ergebnis eine bisher noch nicht erkannte Ursache für den plötzlichen Kindstod.

Die Empfehlung der Forscher an Schwangere und Stillende: Auf jeden Fall in der Schwangerschaft und in der Stillzeit auf proteinreiche Diäten zu verzichten!

Wieviel Eiweiß brauchen stillende Mütter tatsächlich?

 DiätenStillende haben zwar einen Mehrbedarf an Protein, der liegt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) allerdings bei 15 Gramm am Tag. Das entspricht etwa 450 ml Milch, einer Extraportion magerem Fleisch oder zwei großen Eiern. Selbstverständlich dürfen sich Schwangere und Stillende auch gerade im Sommer ein schönes Stück Grillfleisch gönnen – wenn es gut durchgegart ist. Ein bisschen mehr Eiweiß weil es so gut schmeckt schadet nicht. Nur besondere Diäten oder besonders eiweißhaltige Shakes (spezielle Proteinshakes) sollten unbedingt gemieden werden.

Quelle: SpringerMedizin.de basierend auf: Walther T et al. High-protein diet in lactation leads to a sudden infant death-like syndrome in mice. PLoS One 2011; 6: e17443

Bild: © Anton Ovcharenko für istockphoto.com

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