Sie sind hier: > Rabeneltern> Dreckig und glücklich

Dreckig und glücklich

Dreckig aber glücklich

Ständiger Stress wegen der Putzerei? Eine zweifache Mutter erklärt, dass sie im Dreck lebt und damit glücklich ist. "Speed Cleaning" nennt sie ihr oberflächliches Reinigen. Und warum das für sie so toll ist, berichtet sie...

Friederike* (32):
"Jeder muss im Leben Kompromisse machen. Und immer muss irgendwo gespart werden. Ich arbeite Teilzeit in einer Bank, habe einen vielbeschäftigten Mann und zwei tolle Kinder. Niclas (6) ist Grundschüler und Thea (fast 2) geht zur Tagesmutter. Morgens ist meistens alles reichlich stressig, nach der Arbeit hole ich die Kinder um 14 Uhr ab. Der Zeitdruck geht dann oft weiter: Hausaufgaben, Arzttermine, Sport und Verabredungen der Kinder. Einkaufen und Kochen muss ich natürlich auch.

Wer unser Haus betritt, wird sicher sehen, wo ich spare. Ich nenne das Ganze „Speed Cleaning“, also oberfläches Säubern. Und uns als Familie stört es gar nicht, dass nicht alles klinisch rein ist. Natürlich liegt auf den Bücherregalen Staub, neben dem Sofa stapeln sich Zeitschriften. Die Sicht nach draußen ist auch ein bisschen getrübt, in diesem Jahr habe ich es noch nicht geschafft, die Fenster zu putzen. Die Schränke sind nicht frisch poliert und im Schlafzimmer habe ich länger nicht gesaugt. Um es ganz klar zu sagen: Bei uns findet man Dreck. Und ich finde das nicht schlimm.

Mal ganz ehrlich: Wieso muss denn alles super sauber sein? Ein bisschen Chaos tut gut, ein wenig Schmutz stärkt die Abwehrkräfte. Und Zeit ist nun einmal für Eltern einfach kostbar. Mit den Kindern Plätzchen backen oder die Fugen in der Dusche mit der Zahnbürste reinigen? Für mich ist das keine Frage. Ich habe gerade mal im Internet geguckt. Da stehen zwar Tipps, was man alles reinigen soll und das Frau am besten Putzpläne macht, damit Familie, Beruf und Haushalt ideal zu kombinieren sind. Aber warum eigentlich? Das steht nirgendwo.

Ich fahre die Kinder zu ihrem Turnen und zu ihren Freunden, die Katze zum Tierarzt, kaufe ein, koche, helfe bei Hausaufgaben und kümmere mich um die Wäsche. Wenn die Kinder schlafen, muss ich manchmal noch Unterlagen für Job durchgehen und einmal in der Woche habe ich Yoga. Und dann sind da noch Elternabende. Und mein Mann, mit dem ich ab und zu auch gern Zeit verbringe. Wann bleibt da schon Zeit zum Putzen?

Ich baue mit Thea Legohäuser, lese Niclas „Karlsson vom Dach“ und gucke gern mit ihm Sterne an. Im Garten haben wir Apfelbäume und im Herbst haben wir massenweise Apfelmus gekocht. Jetzt backen wir gerade Plätzchen und basteln kleine witzige Dinge für den Baum. Niclas hat wahnsinnig tolle Ideen und auch Thea beklebt schon eifrig Kugeln. Bisher hat noch nie eines der Kinder gesagt. „Oh, ich hätte es aber gerne sauberer bei uns.”

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Einiges ist mir schon wichtig. Das Bad und die Küche sollen schon halbwegs sauber sein – mein Mann bringt den Müll täglich raus. Im Kinderzimmer dulde ich keine Wollmäuse und Essenreste werden auch sofort aufgewischt. Und wenn der Katze übel ist, lasse ich das auch nicht eintrocken. Die Kinder essen von sauberen Geschirr und haben ordentliche, frische Klamotten – so ist das nicht. Aber ich setzte halt Prioritäten. Mich stören die Staubflocken unter meinem Bett nicht – ich ignoriere sie einfach. Es ist auch nicht so, dass ich etwas gegen ordentliche, aufgeräumte Haushalte habe – es ist nur eben nicht mein Ding, zu putzen.

Kaum hat man Staub gewischt und gesaugt, sieht es gleich wieder wie vorher aus und diese ganzen Geschichten von wegen Putzen-verbraucht-Kalorien halte ich für  Gerüchte. Die Putzmittelindustrie kann sich ihre ganzen Supervorzeige-Hausfrauen, die in der Werbung bei jeder Drecksspur einen Herzinfarkt bekommen, sonst wo hinstecken. Mir sind solche Frauen suspekt.Wenn wir Besuch bekommen, gehe ich schon mal vorher durchs Haus und schaue ob irgendwo etwas richtig fies aussieht. Ansonsten – es hat sich noch nie jemand beschwert. Und wieder gekommen sind die Gäste auch. Die Unordung gehört halt zu mir.

Ganz ehrlich? Ich glaube mit meinem flüchtigen Minimal-Putzen geht es uns allen richtig gut. Meine Kinder dürfen Kinder sein, sich schmutzig machen und toben. Ich plage mich nicht mit nerviger Drecksarbeit herum und wir alle haben gute Abwehrkräfte. Also als Mittel gegen Stress kann ich „Speed Cleaning“ nur empfehlen. Ihr lieben anderen Mütter: lasst Euch nichts einreden. Putzen wird total überschätzt und ist wirklich nicht wichtig. Die Kinder sind nur einmal so klein, die Staubflocken kommen immer wieder."

 Foto: © Courtney Weittenhiller für istockphoto.com

Protokoll von Silke R. Plagge

*Namen von der Redaktion geändert

Kommentieren
 
Ihr Name:
Überschrift:
Kommentar:
Zeichen zur Verfügung
Bitte übertragen Sie den Code:
Zahl der Kommentare: 10
Speed Cleaning
Absender des Kommentars grit b 20.06.2011
ja genau so lebe ich schon eine ganze weile auch vor unserem kleinen wurde der haushalt nur so abgefertigt und ich bin glücklich damit und mein mann auch. das wohl meines kindes steht für mich an erster stelle. kann ich nur empfehlen ;)
Kommentieren | Missbrauch melden
Super!
Absender des Kommentars Anna 22.12.2010
Das find ich toll, dass da jemand meiner Meinung ist. Ich finde es ist wichtiger sich um die Kinder zu kümmern, mit ihnen zu lesen,basteln, spielen und singen, als nur die Putzerei im Kopf zu haben. Und in der Wohnung muss es gemütlich sein und nicht teril, wie im OP-Saal.
Kommentieren | Missbrauch melden
Danke!
Absender des Kommentars jenny 03.02.2010
Ich stimme vom ersten bis zum letzten Satz zu..


ABER:wenn das jede so sieht,wieso in aller herren länder gibt es diese,superklinischen Wohnungen?!Jeder findet dieses Zeug doof und bei mind 2/3 der Kommentarinnen wirds so aussehen..

Bei mir nicht..außer die schwiegermutter kommt:-)dann ist das aber speed-speed-cleaning:-)
Kommentieren | Missbrauch melden
traurig
Absender des Kommentars bianca 21.01.2010
finde es echt traurig das man darüber überhaupt schreiben muß. jedem das seine und mütter sind auch nur menschen. ich habe mir noch nie gedanken um andere gemacht und wo kinder leben ist es eben auch mal unordentlich und dreckig solange das essen noch nicht laufen kann und die kleinen nicht verwahrlosen kann es auch mal unordentlich sein ist meine meinung zudem geht es niemanden etwas an wer wie lebt und sauber macht solange es allen damit gut geht und keiner am dreck erkrankt. also wofür wird sich denn hier rechtfertigt? man sollte sich von dieser perfektionistischen ich schaffe alles und das alleine gesellschaft ganz schnell trennen wenn man körperlich und psychisch gesund bleiben will denn das macht viel eher krank als der staub in der wohnung...
Kommentieren | Missbrauch melden
Super!
Absender des Kommentars Steffi 15.12.2009
Ich bin ja so erleichtert, das ich nicht die einzige Mama bin, die so denkt.
Fühle mich schon wohl, wenn ich ich denn mal so richtig klar Schiff gemacht habe, doch ist mir meine Zeit meißt viel zu kostbar, um jeden Tag wie ein wild gewordener Putzteufel durch die Wohnung zu rasen. Wc und Küche sollten schon immer sauber sein und auch auf saubere Wäsche lege ich sehr viel wert, doch habe ich kein Problem damit, das nicht Alles gebügelt ist. Bei mir wird nur gebügelt was sehr zerknautscht von der Leine kommt, oder halt die feinen Sachen wie Hemden und Blusen. Es scheint sich auch keiner unserer Besucher daran zu stören, denn bisher ist jeder wiedergekommen.
Kommentieren | Missbrauch melden
Ganz genau!!!!!!!!!!
Absender des Kommentars Lilli 01.12.2009
Ja wohl !!! Entlich spricht mir da jemand aus der Seele !!! Denen das bei mir nicht gefällt ,sprich Mutti oder Schwiegermonster,die habe ich zum putzen eingeladen. Ansonsten wissen die wo die Tür ist. Ich bin nur froh das mein aller liebster da woll hinter mir steht. Wir sind selbstständig und haben jede menge um die ohren, da haben wir nicht immer lust unsere Freitzeit damit zuverbringen hinter dem Sofa zu schauen
Kommentieren | Missbrauch melden
Keine Klinik
Absender des Kommentars Birgit 27.11.2009
Ich sehe das ganz genauso. Solange eine Grundsauberkeit herrscht, kann es ruhig unordentlich sein. Meine Tochter ist gerade 6 Wochen alt, da hab ich echt Besseres zu tun, als die Türklinken mit Wattestäbchen zu säubern ;-) und immerhin wohne ich in meiner Wohnung und das kann auch jeder sehen, ich wohne ja nicht in einer Klinik oder einer Möbelausstellung;-)
Kommentieren | Missbrauch melden
Richtig so
Absender des Kommentars Christin 27.11.2009
Hallo

Ich bin auch nicht unbedingt die super putzmaus. Wenn ich besuch erwarte dann hab ich alles richtig sauber weil meine Mutter da wert drauf legt und die Omi natürlich auch. Aber für mich, mal im ernst ich hab zwei große Hunde und Drei Katzen, vor allem bei dem Wetter jetzt sehe ich es partou nicht ein, das ich sobald ich mit den beiden rein komme, sofort die Hundetapsen wegwische.
Ich hab auch kein Problem damit das sich mal die Wollmäuse, oder Fellmäuse in den Ecken fangen. Auch mach jede wochen das Bad einmal gründlich sauber genau so wie die Küche. aber ich finde es muss jeder mit sich selbst aus machen wie seine Wohnung aussieht. Aber ich brauch kein Sterieles umfeld.
Kommentieren | Missbrauch melden
Ein steriles Dahem, OH NEIN !
Absender des Kommentars Marion 27.11.2009
Ich gebe Dir vollkommen recht.
Wir gehören nicht zu denn Extremfällen, die im Dreck und Müll versumpfen, aber eine Sterilität daheim ist unnötig, sie sollte dort sein, wo sie hin gehört, z.B. in Kliniken.
Eigentlich bringt ein Putzfimmel doch den Müttern nur stress. Eine gewisses Maß an Grundordnung und Sauberkeit ist in meiner Wohnung vorhanden. Ich düse nicht gleich los, wenn ein Staubkorn fällt. Ich nehme mir auch lieber Zeit für meine Kids, als rum zu putzen. Gut, ich habe zwei Mädchen von 22 und 13 Jahren, die helfen auch mit. Da ich aber in den nächsten Wochen meinen Sohn erwarte, wird auch dieser nicht in einem sterilen daheim aufwachsen. Wie schon so schön gesagt, die Abwehrkräfte werden dadurch gestärkt, wenn man ein bestimmtes Maß an "Dreck" zu lässt. Die Umwelt ist auch nicht steril und sauber und man hält sich da auf und fühlt sich dabei auch noch wohl.
Kommentieren | Missbrauch melden
Spricht mir aus dem Herzen
Absender des Kommentars rocktpapa 26.11.2009
...so sehr, dass ich es gleich mal re-blogge :)
http://paparockt.blogspot.com/2009/11/und-eltern-konnen-fliegen-auch.html
Kommentieren | Missbrauch melden

Sämtliche Rechte vorbehalten, keine Vervielfältigung. Sandviks Verlag GmbH, CH-5442 Fislisbach.


Datenschutz | Nutzungsbedingungen | Impressum | Sitemap

Sandviks Verlag GmbH mit der Marke GoBo Kinder ist eine
Tochter von Sandviks AS in Norwegen.

Besuchen Sie auch:
gobo-kinder.de | mein123.de | meinegrossewelt.de