Jeaninne* (28):
"Ich freue mich so auf unser Baby. Stichtag ist der 20.01.2010, das liest sich richtig gut. Eine kleine Lena wird bei mir und meinem Mann einziehen. So langsam merke ich, dass ich immer nervöser werde, die Kliniktasche habe ich abends am vierten Advent gepackt. Falls Lena doch noch ein Weihnachtsbaby werden möchte.
Am 23. Dezember hatte ich, wegen der Feiertage etwas früher, mein Aufnahmegespräch in der Entbindungsklinik. Alles war gut, die Ärztin ist sicher, dass das Baby sich noch Zeit lässt und gesund ist. Und auch sie meint, dass wir eher eine Lena als einen Leon haben werden. Nach der Untersuchung zeigte mir eine Hebamme noch einmal den Kreißsaal und auch die Zimmer. Eines war gerade frei, ein Zweibettzimmer. Neben den Betten standen schon so komische Plastikwägelchen. "Das sind die Säuglingsbetten, so haben sie ihr Kleines direkt nach der Geburt bei sich," erklärte sie mir. "Mein Mann und ich haben das besprochen. Ich möchte kein Rooming-in," erklärte ich der Hebamme. Die sah mich entsetzt an. Als ob ich plötzlich ein Monster geworden wäre. Eine Mutter, die nicht mit ihrem Kind zusammen untergebracht werden möchte?!
"Es ist in unserem Hause aber üblich, dass die Wöchnerinnen ihre Kinder selbst versorgen," sagte sie sichtlich verschnupft. "Ich möchte mein Kind ja auch versorgen, aber ich will Nachts schlafen können, ich muss mich doch von der Geburt erholen," sagte ich. Wortkarg zeigte mir die Hebamme dann doch das Säuglingszimmer, denn natürlich gibt es das in der Klinik, deswegen hatten wir sie ja ausgewählt. Eine Säuglingsschwester führte mich dort herum. "Wieviele Kinder schlafen denn nachts hier?" fragte ich. Wieder so ein Blick. "Höchstens zwei, meist wenn die Mutter eine schwere OP oder so hatte. Bekommen Sie denn einen Kaiserschnitt?" Ich traute mich nicht mehr zu antworten.
Ist es denn so falsch und schlimm, dass ich nach der Geburt, die ich mir total schrecklich vorstelle, einfach schlafen will? Ich kann seit Wochen kaum liegen, fühle mich so erschöpft. Und ich dachte, ich könnte mich in der Klinik ein bisschen ausruhen. Denn nach Entlassung werde ich ja wohl mit meiner neugeborenen Tochter auch kaum eine Nacht richtig ruhen können. Meine Mutter hat mir immer erzählt, wie wichtig ihr die Ruhepause bei meiner Geburt und bei der meiner Schwester war. Wieso dürfen Mütter das heute nicht mehr haben?
Mir geht es ja nur um die Nächte und darum, nicht sofort voll verantwortlich sein zu müssen. Was ist denn daran fürchterlich, dass ich mein Baby eben noch nicht rund um die Uhr bei mir haben möchte? Meine Frauenärztin meinte, es sei für die Bindung gut und wichtig und ich solle es mir noch einmal überlegen. Auch Stillen wäre dann praktischer. Meine Freundin erklärt mir, dass ich das nach der Geburt eh alles anders sehen würde. Mein Mann sagt nur, ich solle das selbst entscheiden.
Nach Absprache mit meiner Mutter habe ich mich jetzt tatsächlich entschieden. Ich möchte NICHT mit meinem Kind zusammen die Nacht im Zimmer verbringen. Und auch nicht mit dem meiner Bettnachbarin. Wenn es irgend geht, möchte ich ein Einzelzimmer - und dort schlafen, während die Kleine gut versorgt im Säuglingszimmer schläft.
Gestern war ich dort noch einmal. Und habe mit der verantwortlichen Säuglingsschwester gesprochen. Die meinte, wenn ich ein gutes Gefühl dabei hätte, würden sie sich gern um das Baby kümmern. Ich glaube, das ist eine gute Entscheidung. Denn nach einen erholten Nächten werde ich als glückliche frischgebacke und erholte Mama entlassen werden. Und dann fängt ja unserer Familienleben erst richtig an. Bin schon soooo aufgeregt..."
Protokoll von Silke R. Plagge
*Namen von der Redaktion geändert. Foto: © Kati Molin für istockphoto.com
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