Ich hatte gerade die 37. Schwangerschaftswoche abgeschlossen, als mich mein Arzt zur Geburtsplanung ins Krankenhaus schickte. Gesagt, getan! Ich stellte mich vor und es wurden sämtliche Daten erfasst. Nach den ersten Untersuchungen wurde noch ein CTG geschrieben und die Ärztin wollte noch einen Ultraschall vom Bauch haben. Bei der Untersuchung meinte sie, dass meine Beine und Hände schon sehr stark geschwollen waren. In dem Gespräch erwähnte ich auch dauerhaft anhaltende Kopfschmerzen, die mir seit etlichen Wochen das Leben schwer machten. Manchmal wurde mir auch hin und wieder schwindlig. Dass das schlimm sein könnte, wusste ich nicht. Ich ging eben davon aus, dass so eine Schwangerschaft zum Ende nun mal anstrengend ist und meine Beschwerden "normal" sind.
Beim Ultraschall wurde mir dann gesagt, dass es dem Baby prima geht, aber die Durchblutung der Gebärmutter nicht mehr so gut ist. Man erklärte mir, dass es an dem ganzen eingelagerten Wasser liegt. Es würde wohl so stark auf die Venen drücken. Nach dem Bluttest war dann klar - ich hatte eine Gestose.
Die Ärzte legten mir ans Herz, die Geburt einleiten zu lassen. Ich war soooo enttäuscht! Ich wollte doch, dass sich das Baby den Tag seiner Geburt selbst aussucht. Pustekuchen! Aus Vernunft stimmte ich zu und am nächsten Tag kam ich brav mit meinem Koffer in die Klinik. Es wurde noch mal alles untersucht, aber mit dem Einleiten ging es dann erst den nächsten Morgen los.
Mittwoch 8.00 Uhr wurde mir das erste Mal Gel vor den Muttermund gelegt. Ich kann mich noch genau an die Ärztin erinnern. Sie war groß und dick und besaß absolut kein Feingefühl! Beim Abtasten des Muttermunds hatte ich das Gefühl, dass sie ihre ganze Hand in mir drin hat. Aua! Sie bohrte, drückte und meinte dann, mein Muttermund stehe noch einen Zentimeter und sei geschlossen. Nach der Prozedur kam das CTG dran. Wie zu erwarten war, blieben die Wehen aus. Es folgten noch zwei weitere CTGs aber nichts passierte.
Um 12.00 Uhr fragte man mich, ob wir es nochmal probieren wollten? Aber na klar! Ich wollte keinen halben Tag verschenken. Ich hoffte nicht wieder von der dicken Ärztin behandelt zu werden. Mir graute es schon vor dem Abtasten des Muttermunds. Ich hatte Glück und die Hebamme übernahm das Legen des zweiten Gels und war beim Tasten wesentlich behutsamer. Nach einer weiteren Stunde am CTG zeichneten sich leichte Wehen ab. Es zog ein wenig und fühlte sich eher an wie Regelschmerzen. Als dann endlich mein Partner nach seinem Feierabend zu mir in die Klinik kam, erzählte ich stolz davon endlich Wehen zu haben.
Zu früh gefreut! Kaum hatte ich davon erzählt, wurden sie wieder schwächer und blieben aus. Er merkte meine Enttäuschung und wollte trösten, aber ich war maulig.Eine Stunde später sollte ich nochmal zum CTG und die Zeit vertrieben wir uns mit einem Spaziergang. Es stürmte und war kalt, also steckte ich nur kurz meine Nase nach draußen, während mein Partner noch eine Zigarette rauchte. Dann fing es wieder in meinem Bauch an zu ziehen. Sehr unregelmäßig - ich dachte, das wäre immer noch der durch das Abtasten gereizte Muttermund.
Beim erneuten CTG berichtete ich der Hebamme. dass die Wehen schon wieder weg waren. Sie versuchte auch zu trösten und meinte: "Dann probieren wir es morgen eben noch einmal." Toller Trost!
Als ich da nun so lag und ich mich mit meinem Partner unterhielt, unglaublich aber wahr, bekam ich wieder meine schmerzlich vermissten Wehen. Sie wurden nun merklich stärker.Mein Partner alberte rum und ich musste ständig lachen. Dann hatte ich auf einmal das Gefühl, es wäre etwas schleimiges zwischen meinen Beinen. Na toll, jetzt hab ich so doll gelacht, dass das Gel wieder rausgeflutscht ist!? Ich beichtete das der Hebamme und sie wollte sofort nochmal nach dem Muttermund schauen. Er war bei einem Zentimeter geöffnet.
Nun sollte ich mich anziehen und mir wie auch immer die Zeit vertreiben. Es war jetzt abends 20.00 Uhr und ich sollte mich etwas ausruhen. Aber als ich mir die Hose anziehen wollte, war da wieder so ein schleimiges Gefühl. Ich machte die Hebamme darauf aufmerksam und sie überprüfte mit einem Teststreifen, ob ich Fruchtwasser verlor. Der erste Test war negativ, aber meine Hose war nass. Sie hielt den nächsten Teststreifen an die Hose - es war doch Fruchtwasser. Da ist mir bei dem ganzen Rumalbern und Lachen die Fruchtblase geplatzt!
Nun wurde es ernst für meinen Partner. Er wurde ganz blass und aufgeregt, denn er hatte nicht damit gerechnet, dass es an dem Tag noch los geht. Ich schickte ihn noch mal nach Hause ein paar Dinge erledigen. Er sollte auch noch mal mit dem Hund vor die Tür gehen. Und ich bereitete einiges für Kreißsaal vor. Fotoapperat, CDs und so...
Die Wehen kamen jetzt von Anfang an alle drei Minuten. Bis mein Schatz wieder zurück war, lief ich die Flure auf und ab. Ich bekam meinen gewünschten Einlauf (ist gar nicht schlimm) und gönnte mir ein schönes ausgiebiges Entspannungsbad mit Kerzen, Duftöl und Musik. In der Wanne wurden die Wehen dann immer stärker. Nach einer dreiviertel Stunde wollte ich die Wanne dann verlassen, weil die Wehen jetzt echt schmerzten. Mein Schatz begleitete mich wieder zum Entbindungsbett. Die Hebamme untersuchte und der Muttermund war fünf Zentimeter geöffnet. Gott sei Dank, die Hälfte war geschafft. Jetzt waren es schon nicht mehr diese Autschi-autschi-Wehen sonder schon Auaaa-Wehen.
So kämpfte ich mich zwei Stunden von Wehe zu Wehe und versuchte mich in den äußerst kurzen Wehenpausen zu entspannen. Ohne die Hand von meinem Schatz wäre es nicht auszuhalten gewesen. Er meinte hinterher, ich hätte sie ihm fast gebrochen. Es war mittlerweile Mitternacht und ich hatte mich schon in andere Sphären geatmet. Die Wehen wurden unerträglich, aber ich wollte es ohne Schmerzmittel schaffen. Bei jeder Wehe hoffte ich, meinem Ziel noch ein Stück näher sein zu können. Und ich schaffte es!
Als es zur Geburt kam, holte man eine Ärztin dazu und ich sollte mich dann auf den Rücken drehen. Ich war der Schmerz!!! Ich schrie! Bei der nächsten Wehe sollte ich leicht mitdrücken und das tat ich. Es lief wie am Schnürchen. Schon nach dem ersten bisschen Drücken konnte man das Köpfchen gut sehen. Ich konnte es nicht fassen und tastete danach. Es war unglaublich! Ich konnte mein Kind das erste Mal streicheln!
Dann kam alles zusammen: Glücksgefühle vor Freude und diese wahnsinnigen Schmerzen! Nach einer Minute kam dann die nächste Wehe und ich fasste mich in die Kniekehlen und zog die Beine an, holte tief Luft, legte den Kopf auf die Brust und schob was das Zeug hielt. Ich musste wieder vor Schmerzen schreien. Nach zwei weiteren Wehen war das Köpfchen geboren. Ich sollte noch ein Mal drücken und dann rief die Hebamme nur noch: "Hecheln, hecheln hecheln!" Ich tat es und meine Tochter wurde mit einem ordentlichen Schwall Fruchtwasser geboren. Mein Schatz sprang vom Stuhl auf und schrie: "Du hast es geschafft." Er weinte vor Glück und küsste mich.
Die ganze Anspannung war auf plötzlich weg, und ich brach in Freudentränen aus. Mein Schatz durfte die Nabelschnur durchtrennen und dann kam meine Tochter zu mir auf die Brust. Hanna Mariann wurde um 00.25 am 19.11.2009 geboren. Sie blickte mich ganz ruhig an und kuschelte sich an mich. Später hab ich sie dann das erste Mal im Kreißsaal angelegt bekommen und sie lutschte noch ziemlich erschöpft an meiner Brust herum.
Die Geburt verlief alles in allem sehr gut. Ich wurde mit ein paar Stichen genäht, nachdem die Nachgeburt auch geboren wurde. Keine große Sache. Es zwickte ein bisschen, aber ich hatte ja meine Süße bei mir und das hat mich sehr gut abgelenkt.
Wir drei kuschelten noch eine ganze Weile und dann "entließ" ich meinen Schatz nach Hause. Er war hundemüde und brauchte jetzt eine Mütze voll Schlaf. Ich ging dann in Begleitung meiner Hebamme in mein Zimmer und versuchte etwas zu schlafen, aber vor lauter Aufregung war das kaum möglich.
Nach etwa zwei Stunden brachte man mir meine Tochter ins Zimmer und die Zeit des "aneinander Gewöhnens" begann. Ich konnte mich kaum satt sehen an ihrem Anblick, wie sie da so lag und schlummerte - so ganz dick eingepackt.
Man erklärte mir, dass sie die Temperatur noch nicht so gut halten könne. Sie war bei der Geburt schneeweiß. Eine dicke Schicht Käseschmiere war auf ihrer Haut. Ganz offensichtlich wollte sich meine Kleine noch eine Menge Zeit bis zur eigentlichen Geburt lassen, aber die Risiken bis zum Ende zu warten, waren doch zu hoch. Durch die Gestose bestand die Gefahr, dass mein Kind nicht mehr optimal versorgt wurde. Hanna war nach ihrer Geburt bei bester Gesundheit und hatte ein Geburtsgewicht von 2890 Gramm und war 49cm lang. Völlig normal für die 38. Schwangerschaftswoche.
Nach fünf Tagen verliess ich das Krankenhaus glücklich und zufrieden mit meiner Tochter im Arm. Sie entwickelt sich prächtig und macht uns jeden Tag mehr Freude. Wir lieben sie abgöttisch!!!
Foto: Hanna Mariann (privat)
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