Grit 09.02.2011
Frage:
Hallo,
meine Tochter (18 Tage) hat seit heute einen wunden Popo und ein sehr weiß belegte Zunge. Die Kinderärztin meinte, bei Mundsoor wären die Wangentaschen mit betroffen (quarkähnlicher Belag), sie hätte jetzt also keinen Mundsoor aber wohl Soor am Popo.
Für den Popo hat sie mir eine Clotrimazolcreme und für den Mund (nur zur Vorsicht, falls doch noch ein Mundsoor kommen würde) Mykoderm-Gel aufgeschrieben.
In der Packungsbeilage steht aber, daß Kinder unter 2 Jahren nicht damit behandelt werden sollten, die Brust nicht behandelt werden sollte und überhaupt in der Stillzeit nicht angewendet werden sollte. Sollte meine Tochter jetzt doch noch Mundsoor bekommen, müßte ich ja meine Brust auch behandeln.
Ich bin sehr verunsichert und weiß jetzt nicht so recht, was ich tun soll. Meine Kinderärztin meinte, das Präparat würden viele Säuglinge bekommen und es wirke am besten. Was meinen Sie dazu, schaden ich meiner Tochter mit dem Medikament und gibt es gute Alternativen? Vielen Dank für Ihre Antwort.
Antwort:
Liebe Grit,
zuerst einmal finde ich es super, dass Sie den Beipackzettel gelesen haben. Dies sollten Sie auch weiterhin tun. Und bei Sorgen immer Ihre Kinderärztin darauf ansprechen eventuell kann sie auf ein Alternativpräparat ausweichen.
Zur Erklärung: Leider kommt es in der Kinder- und Jugendmedizin insgesamt häufig vor, dass Medikamente Kindern empfohlen werden, die laut Packungsbeilage für das entsprechende Alter nicht zugelassen sind. Ihre Tochter ist mit 18 Tagen sogar noch ein Neugeborenens und in der sogenannten Neugeborenenmedizin (Neonatologie) muss überwiegend auf Medikamente zurückgegriffen werden, die laut Beipackzettel nur für ältere Säuglinge oder Kinder zugelassen sind. Das gefällt uns Ärzten genauso wenig wie Ihnen als Eltern, aber es fehlt an Studien und natürlich in den meisten Fällen an Geldern, um solche großangelegten Studien durchzuführen, damit das Medikament die Zulassung für jüngere Kinder oder sogar Neugeborene bekommt.
Während meiner Ausbildungszeit wurden Daktar Mundgel und Moronal sowohl Säuglingen als auch Neugeborenen erfolgreich und ohne Komplikationen gegeben. Laut Roter Liste ist Daktar 2% Mundgel bei Mykosen im Bereich des Mund-Rachen-Raumes (Mundsoor) bei Säuglingen ab 6 Monaten zugelassen. Für Sie als stillende Mutter hingegen besteht eine strenge Indikation.
Die Moronal Suspension ist laut Liste besonders für Säuglinge und Kleinkinder geeignet und es wird nur davon abgeraten, sofern es sich um ein sehr untergewichtiges und/oder unreifes Frühgeborenes handelt.