Jolanta K. 26.10.2009
Frage:
Hallo Dr. Voigtl, ich habe meine Tochter, knapp 5 Monate, als sie noch kleiner war an der Brust zum schlafen gebracht. Da das nicht wirklich "richtig" war, haben wir uns nach 3,5 Monaten entschlossen ihr das Schlafen ganz nach dem Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" beizubringen. Das hat sehr gut geklappt. Allerdings schläft sie seitdem nicht mehr durch. Ich habe sie sodann nach drei Wochen abends wieder an die Brust genommen, um ihr Schlafverhalten zu testen. Aber selbst da wird sie wieder wach, manchmal bis zu drei mal. Man muss dazu sagen, dass sie damals nachts bis zu 12 Stunden durchgeschlafen hat. Erst habe ich vermutet, dass ihr die Milch nicht reicht und habe ihr dann abends die Brust und ein Fläschchen gegeben, doch selbst das hilft nicht. Was kann ich machen, dass sie wieder durchschläft? Ich bin Ihnen für Ihre Hilfe wirklich sehr dankbar. Liebe Grüße Jolanta K.
Antwort:
Ihr Baby hat sichtlich noch zu keinem Schlafrhythmus und zu keinem Schlafverhalten gefunden, das entspannt ist.
Das ist durchaus häufig in diesem Alter. Sprechen Sie als Eltern untereinander ab, wie Sie die Sache angehen wollen. Gehen Sie gleichzeitig mit Ihrem Baby zu Bett, um selbst genügend Ruhe zu bekommen. Verabreden Sie mit Ihrem Partner vorher, wann genau Sie aufstehen wollen. Beginnen Sie mit dem kleinstmöglichen Mitteln Wenn das Baby erwacht, streicheln Sie es sanft, decken Sie es gut zu und geben Sie ihm seinen Schnuller. Dies hilft vielleicht für eine Stunde. Versuchen Sie die gleiche Prozedur noch einmal. Findet Ihr Kind noch immer nicht zur Ruhe, wickeln Sie es. Machen Sie jedoch kein Licht, und unterhalten Sie es nicht. Vielleicht schläft es danach etwa eine weitere Stunde. Hilft auch dies nicht mehr, geben Sie Ihrem Baby ein wenig Wasser zu trinken. Dies hat zwei Funktionen. Zum einen signalisieren Sie dem Baby, dass es nachts nichts zu essen gibt, dass es aber Wasser bekommen kann. Zum anderen gibt es Ihnen die Gewissheit, dass Ihr Kind nicht durstig ist. Geben Sie die Brust so spät wie möglich und nur wenn es unbedingt sein muss.
Gute Ratschläge
• Verbinden Sie das Ablegen Ihres Kindes mit etwas Gemütlichem. Lesen Sie ihm etwas vor, massieren Sie es, baden Sie es vor dem Zubettgehen usw.
• Halten Sie feste Bettzeiten ein.
• Bringen Sie Ihr Kind NIE "zur Bestrafung" ins Bett.
• Bringen Sie Ihr Kind stets zu Bett, bevor es übermüdet ist und buchstäblich vor Müdigkeit umfällt.
• Ihr Kind muss nicht sofort einschlafen. Lassen Sie das Kind im Bett zur Ruhe kommen.
• Wiegen wirkt in der Regel schlaffördernd.
• Dämpfen Sie das Licht , oder löschen Sie es ganz beim Zubettgehen.
• Dämpfen Sie das generelle Aktivitätsniveau der Familie, d. h.: drehen Sie den Fernseher oder die Musik leiser, dämpfen Sie Unterhaltungen ein wenig.
• Ist Ihr Kind nachts unglücklich, nehmen Sie es nicht hoch, sondern bleiben Sie nur bei ihm, bis es zur Ruhe kommt. Lassen Sie es sich NICHT in den Schlaf weinen. Ein weinendes Kind muss immer getröstet werden!
• Das Kind ins Bett der Eltern zu nehmen, kann dazu führen, dass Sie ihm dies später wieder abgewöhnen müssen. Andererseits ist es eine effektive Methode, Ihr Kind zum Einschlafen zu bringen.
Bevor Sie sich über den von der Norm abweichenden Schlafrhythmus ihres Kindes Sorgen machen, vergleichen Sie diesen mit den Schlafgewohnheiten naher Verwandter oder mit Ihrem eigenen als Kind. Es kann sein, dass sich hier Ähnlichkeiten feststellen lassen.